Energie als Ware

Früher war Energie ein physikalisches oder technisches Thema, seit dem sogenannten Ölschock von 1973 ist Energie ein ein „grün-ökonomisches“ Thema geworden. Auch Physiker und Techniker, die in fachbezogen mittlerweile gut wissen, was sie als Energie bezeichnen, verwenden den Ausdruck im Alltag ganz „grün“, also ganz und gar unabhängig davon, was er ihnen innerhalb ihrer Disziplin bedeutet.

Im Alltag wird Energie verbraucht und vor allem verkauft. Im Alltag ist Energie ein anderes Wort für Geld. Unser lokaler Energielieferant, die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich bringen die Sache in ihrer marktorientierten Werbung auf den Punkt: „Energie sparen heisst Geld sparen“.

Wenn Energie nur ein anderes Wort für Geld wäre, würde es keine Rolle spielen, ob ich von Energie oder von Geld spreche. Im politischen Diskurs spielt es aber offensichtlich eine sehr grosse Rolle, im politischen Diskurs ist wichtig, dass von Energie und gerade nicht von Geld gesprochen wird. Es geht dort nicht ums Geld sparen, sondern ums Energie sparen. Suggeriert wird im grün-ökonomischen Diskurs, dass Energie nicht unbeschränkt zur Verfügung stehe, dass man also mit Energie sorgfältig umgehen müsse, sogar so sorgenvoll, dass man mehr Geld dafür ausgeben sollte, als der Markt es verlangen würde. Ich werde beispielsweise angehalten, für Energie beachtlich mehr zu bezahlen, und so beizutragen, dass die Energie grüner produziert werden könne. Dabei geht es offensichtlich nicht darum, Energie zu sparen, sondern darum mehr Geld auszugeben, obwohl Energie zunächst – und in der Werbung – ein anderes Wort für Geld ist.

Die scheinbare Paradoxie löst sich schnell auf. Solche Energie ist eine Ware, die via Werbung Abnehmer sucht, weil sie wie jede Ware Geld werden will. Die AKW-Betreiber verkaufen mir ihren nicht so grünen Strom mit einem tieferen Preis, die Solartechnikproduzenten verkaufen mir denselben Strom mit grünen Argumenten. Beide wären gleichermassen und zusammen sehr enttäuscht, wenn ich Strom sparen würde.

Energie ist aber natürlich nicht nur Strom, Strom ist nur die aufwendigste Form von Energie. In der Geldanalogie entspricht elektrischer Strom sozusagen Goldmünzen, Erdöl vielleicht dem Papiergeld und die Sonne, die mich wärmt, einem Girokonto. Goldmünzen herstellen ist teurer als Einträge in einem Konto zu machen. Deshalb streiten die Stromproduzenten nicht nur miteinander, sondern auch mit Öl- und Gasproduzenten um die Gunst der Kunden und um die Gunst von Subventionen. Von den Kunden wollen sie – tautologischerweise – keine Energie sondern Geld – und in einer perfiden Hinsicht möchten die Energieproduzenten natürlich in dem Sinne „sparsame“ Kunden, als sie für das bezahlte Geld möglichst wenig „Energie“ beziehen sollten.

Das Ansinnen, Energie zu sparen, das nur in einer perfiden Art von Produzenten wie der Opec kommen kann, entspricht einem Aufruf eine bestimmte Ware zu boykottieren – wobei die Warenbezeichnung „Energie“ gut verschleiert, wer welche Ware nicht kaufen und ausgeben sollte.

Ich werde im nächsten Beitrag auf das Energiesparen zurückkommen.

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19 Gedanken zu „Energie als Ware

  1. Pingback: Energie als Grösse | Gegenenergie

  2. Pingback: Die Notwendigkeit der “Energie” | Gegenenergie

  3. Rolf Todesco Autor

    CO2 sparen finde ich eine seltsame Formulierung, weil ich mit sparen vor allem Geld verbinde, aber in jedem Fall etwas, was ich gerne ausgeben würde, aber noch etwas behalte, weil ich meine, dass ich es in der Zukunft besser ausgeben kann.
    Bei CO2 sehe ich nicht, wie ich meinen Spar-Begriff deuten könnte.

    Antwort
  4. Rolf Todesco Autor

    ah ok. Ich würde dann aber – wenn es um das Vermeiden geht – „üblich“ sprechen, also über das Vermeiden von Co2-Produktionen statt über Energieverbrauch.
    Aber „Energie“ hat offenbar diese Umschiffungsfunktion, man spricht ja auch von Energie, wenn eigentlich Erdöl oder Geld gemeint ist – einfach um die Sache nicht beim Namen zu nennen.

    Antwort
    1. Max

      Es gibt verschiedene Strategien den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Eine davon ist Energiesparen (genauer: Strom sparen), weil ein großer Teil des anthropogenen CO2-Ausstoßes bei der Verbrennung von fossilen Rohstoffen entsteht, die der Erzeugung von elektrischem Strom dienen. In Deutschland sind das vor allem Kohlekraftwerke. Wenn nach der Energiewende kein Strom mehr durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe erzeugt wird, hat Stromsparen auch nichts mehr mit CO2-Vermeiden zu tun. Noch ist es aber nicht so weit.

      Antwort
  5. Rolf Todesco Autor

    ja, ok, es gibt verschiedene Strategien. Ich plädiere dafür das eigentliche Ziel zu benennen – hier CO2-Ausstoss-Reduktion – statt dieses Ziel hinter irgendwelchen Mitteln einer möglichen Strategie zu verstecken.
    Die Obama-Regierung hat gerade diese Woche neue, resp. erstmalige CO2-Grenzwerte für Kohlenkraftwerke erlassen. Die Kohlenkraftwerker sprechen von einem Krieg und behaupten, diese Grenzwerte seien ökonomisch gar nicht erreichbar.
    Das finde ich eine lustige Diskussion, in welcher Energie sparen nicht vorkommt, weils um CO2-Vermeiden geht

    Antwort
    1. Max

      Man kann natürlich auch mehrere Strategien kombinieren: Energie sparen, Kohlekraftwerke etwas „sauberer“ machen, CO2-Einlagerung, Erneuerbare Energien fördern, Kernenergie, Fernwärme etc.

      Antwort
  6. Rolf Todesco Autor

    Mir geht es eigentlich weniger darum, was WIR machen als darum WORÜBER wir wie sprechen. Mir scheint der Ausdruck „Energie“ und die Redeweise „Energie sparen“ lenken ab und verschleiern. CO2 ist dagegen ziemlich konkret.
    Ich mag es, wenn die Sachen konkret bezeichnet werden. Wir können also gerne über CO2 sprechen, wenn wir CO2 meinen. Ich glaube allerdings, dass auch CO2 eine ziemlich abstrakte Formel dafür ist, wer welche Abfallentsorgung in welcher Form zu bezahlen hat.

    Antwort
    1. Max

      CO2 ist konkret, aber „CO2 vermeiden“ ist sehr unkonkret, weil dabei nicht gesagt wird, wodurch CO2 vermieden wird. Da gibts nämlich wie gesagt mehrere Strategien. Energiesparen ist nur eine davon.

      Antwort
      1. Rolf Todesco Autor

        ja CO2 als quantifizierbares Material ist konkret. Auch bestimmte Auswirkungen würde ich noch als konkret messbar bezeichnen. Aber wenn von CO2 die Rede ist (worüber sprechen wir) geht es ja nicht um CO2, sondern um denkbare Um-Welten, mit mehr oder weniger CO2.
        Für mich stellt sich mehr die Frage, ob CO2 ein sinnvolleres Thema ist als „Energie“. Ich neige dazu, CO2 wie Energie in Franken/Euro auszudrücken, die jemand einnimmt/ausgibt.

      2. Max

        Kannst du es? Einen bestimmte Menge CO2-Ausstoß halbwegs sinnvoll in einem bezifferbaren Geldbetrag ausdrücken? Ich glaube nicht. Man kann Energie sparen um unmittelbar Geld zu sparen, aber wenn man CO2 vermeidet (durch Energiesparen oder anders) lässt sich das nicht so ohne weiteres in gespartes Geld umrechnen. Z.B. weil die Folgen nicht unmittelbar beim Vermeider auftreten und auch nicht örtlich begrenzt, sondern global. Und auch nicht sofort, sondern langfristig.
        (Der Emissionshandel stellt dagegen tatsächlich einen künstlichen Versuch dar, dem CO2-Ausstoß bestimmter Unternehmen konkrete Gebühren zuzuordnen. Wie erfolgreich das ist oder war weiß ich allerdings nicht.)

      3. Rolf Todesco Autor

        Ob ich das kann, habe ich mir in der Tat nicht so gut überlegt. Aber dass MAN es kann, habe ich – wie Du – anhand des Emissionshandel, in welchem Mengen von CO2 ver- und gekauft werden, erkannt. Natürlich kann man bezüglich des Emissionshandel auch etwas genau sprechen: Es wird ja nicht CO2 verkauft, sondern etwas völlig anderes. Aber das ist ja genau mein Punkt: Die Energie-Debatte verwendet immer Redeweisen, die – bewusst oder nicht – ganz eigentümlich „falsch“ sind, indem sie die konventionellen Bedeutungen der Worte aushebeln.
        Der CO2-Ausstoss wird zur Ware mit einem Preis gemacht, wobei der Produzent des CO2 den Preis für seine Ware bezahlen muss.
        Solche Redeweisen sind einfach die Verlängerung einer Verschleierung, die von Energie spricht, wenn Luftverschmutzung das Thema wäre.

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