Energie sparen

Unsere Autos brauchen nur noch 3 Liter Benzin und unsere Häuser haben einen Minimumenergiestandard, aber wir brauchen jedes Jahr mehr Energie. Warum?

Ich will die Warum-Frage nicht beantworten, sondern kritisch beobachten.

Wo von Energieverbrauch die Rede ist, wird Energie meistens als Ware gesehen. Dabei tritt die Ware in den üblichen Formen als Material oder als Dienstleistung auf. Ich kann beispielsweise Kohle oder Öl kaufen und abstrakt sagen, ich habe Energie gekauft. Gekauft habe ich aber natürlich nicht Energie, sondern Kohle oder Öl, also eine gewöhnliche Ware mit einem anfassbaren Warenkörper, der als “Energieträger” fungiert. Ich kann mit elektrischem Strom aus der Steckdose mein Haus beleuchten und heizen. Dann muss ich den Strom bezahlen und kann sagen, ich habe Energie gekauft. Gekauft habe ich aber eine Dienstleistung, die darin besteht, dass jemand einen Generator betreibt und mein Haus in seinen “Energiekreis” als Verbraucher eingebunden hat.

In allen Fällen ist die “Energie”-Ware in Bezug auf die physikalische Grösse in Joule quantifizierbar, ich bezahle aber natürlich nicht die Joules, sondern den Tauschwert der Ware. Es spielt keine Rolle, ob ich mein Heizöl in Kilogramm oder in Kilojoules messe, es kostet gleichviel Geld.

Wenn ich also “Energie” spare, spare ich Geld. Wenn ich Geld spare, muss ich das Geld anders ausgeben, wenn ich es nicht vergraben will. Wenn ich das Geld anders ausgebe, bezahle ich damit wieder “Energie”, denn wofür sonst könnte ich Geld ausgeben?

Man hat mir empfohlen Sonnenkollektoren zu kaufen. Sie müssen hergestellt werden, was Energie kostet. Dann aber gewinne ich Energie, im besten Fall mindestens soviel, wie die Herstellung der Kollektoren verbraucht hat. Jetzt habe ich noch mehr Energie. Gemeinhin sagen wir dieser Geldverwendung Investition, es ist aufgeschobene Konsumation. Weil ich dann diese Energie habe, brauche ich noch weniger von einer anderen Energie, wodurch ich wieder Geld spare.

Ich kann keine Energie sparen, ich spare immer Geld. Man hat mir empfohlen, mein Geld auf die Bank zu bringen, damit andere es zur Verfügung haben. Aber wofür werden sie mein Geld ausgeben, wenn nicht für “Energie”. Ich müsste das gesparte Geld vergraben. Autos mit modernen Motoren und Häuser mit guten Isolationen sparen keine Energie. Aber eigentlich ist ja klar, dass ein Auto oder ein Haus nicht sparen kann. Sparen könnte nur der Besitzer des Autos oder Hauses. Aber wie?

Wenn jeder einzelne keine Energie sparen kann, kann auch die Gesellschaft keine Energie sparen.

Gut, wechseln wir das Thema. Ich kann bestimmte “Energie” sparen und dafür andere Energie ausgeben. Jetzt geht es nicht mehr ums Sparen von Energie überhaupt, sondern darum, welche Energie ich verwende. Dazu haben wir ein paar neue Unterscheidungen gefunden. Es gibt jetzt “erneuerbare” Energie. Und es gibt jetzt “saubere” Energie. Ich kann mich jetzt also auf moralisch gute Energie konzentrieren. Die Bösen geben schlechte Energien aus.

Was spare ich, wenn ich die die sogenannte Sonnen-Energie von meinem eigenen Hausdach spare? Ich will mein Hausdach zuerst mal ausklammern, dann scheint die Sonne nutzlos einfach so vor sich hin. Die Energie fliesst dann wie das Wasser in einem naturbelassenen Bach einfach den Bach hinunter. Das erscheint als totale Verschwendung von Energie, aber natürlich nur dem, der Energie jenseits einer Ware sieht. Wenn die Sonne durch meine Dachkollektoren fliesst, wird sie deshalb noch nicht zu einer Ware. Sie fliesst also weiterhin “den Bach hinunter”, nun aber fliesst sie in meinem Bach, in den ich investiert habe, damit ich keine andere Energie kaufen muss, also Geld sparen kann.

Natürlich könnte ich meine Sonnenenergie verkaufen. Dann wird sie zur Ware. Ich bin sie dann los, habe aber dafür noch mehr Geld, das ich ausgeben oder vergraben muss. Ich lasse diesen Fall aber mal so stehen. Wenn ich meine Sonnenergie nicht verkaufe, kann ich andere Energie sparen. Dabei spare ich wieder Geld …

Wer kann mir da helfen?

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15 Gedanken zu „Energie sparen

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  4. // manU F.

    „Ich kann keine Energie sparen, ich spare immer Geld.“

    Ich gehe davon aus, dass Du das gar nicht so fürchterlich zynisch (/trostlos, verbittert oder pessimistisch) meinen kannst, wie ich es auffasse.

    Was Du schreibst wirkt für mich beinahe so, als wolltest Du die Sorgen und Bemühungen der Gesellschaft/ der Industrie und der Politik im Hinblick auf unseren Energieverbrauch pauschal ins Lächerliche ziehen wollen. Auf mich wirkt Dein Text so, als ob Du die pessimistische Ansicht vermitteln möchtest, dass wir unausweichlich auf ein bitteres, fatales Verhängnis zusteuern, und alle gesellschaftlichen Anstrengungen der Mäßigung vergeblich sind, weil wir mit jeder Konsumentscheidung nur unserem unvermeidlichen Untergang entgegeneilen.

    Aber wahrscheinlich verstehe ich nur wieder nicht, was Du sagen möchtest oder warum Du diesen Text geschrieben hast. Wahrscheinlich sind die Sorgen, die Dich dazu veranlassen Texte zu schreiben, wie diesen hier oben, den Sorgen der „Energiesparer“ (und der Mahner) nicht unähnlich.

    Wenn ich auf das Thema „Energie sparen“ hingewiesen werde, dann steht für mich dabei der Begriff der „Nachhaltigkeit“ im Zentrum meiner Überlegungen.
    Den englischen Begriff „Sustainability“ halte ich für treffender, weil er eher erkennen lässt, worum es eigentlich geht, wenn wir uns gesellschaftlich und individuell Gedanken um unseren Energieverbrauch machen. Es geht schließlich um die Frage, wie wir die Ressourcen, die uns unmittelbar und aller Voraussicht nach zur Verfügung stehen, möglichst klug, vernünftig und behutsam möglichst sinnvollen und edlen Zwecken zukommen lassen können.
    Es geht um die Überlegung, wie wir uns am besten Rohstoffe und Energie verfügbar und zunutze machen, ohne die Homöostase (oder Homöodynamik) massiv zu stören und zu beeinträchtigen.
    Wie vermeiden wir also das Risiko, dass wir das sensible ökologische Gleichgewicht unserer Umwelt (oder Mitwelt) derart zum Kippen bringen, dass wir uns infolgedessen wichtige Lebensgrundlagen entziehen, abgraben, blockieren oder vernichten?

    „Energie sparen“ ist gewissermaßen der Arbeitstitel für eine Programmatik der Mäßigung und der technischen Optimierung im Umgang mit Energie, die wir uns als gesellschaftlich ermittelte oder spezifizierte Resource verfügbar und nutzbar machen.
    Den Warencharakter der Resource „Energie“ sehe ich als nachrangige Konsequenz, die sich im Rahmen unserer erlernten Muster der ökonomischen Verhandlung von Ansprüchen ergibt.
    Es wäre zumindest theoretisch vorstellbar, dass wir Ansprüche auf Teilhabe, Unterstützung und Versorgung gesellschaftlich völlig anders aushandeln, als konventionell üblich im Bezug auf das Kriterium Wirtschaftsmacht. Beispielsweise wären gesellschaftliche Umstände und Arrangements vorstellbar, in denen soziale Wesen rein im Hinblick auf rationale und ethische Erwägungen entscheiden, wem sie wobei helfen wollen und demzufolge auch jenseits von Mustern der ökonomischen Verhandlung die Frage beantworten, wie Güter, Ressourcen und Leistungen am besten zu verwenden sind.

    Du schreibst:
    „Wenn jeder einzelne keine Energie sparen kann, kann auch die Gesellschaft keine Energie sparen.“

    Ist das so?
    Deine These (oder die Logik, die Dich zu dieser Aussage führt) erscheint mir zweifelhaft.
    Du scheinst zu glauben, dass Du auf die Bilanz des gesamten Energieverbrauchs in der Gesellschaft keinen Einfluss nehmen kannst, oder höchstens dann, wenn Du dem Wirtschaftskreislauf Kaufkraft entziehst oder vorenthältst.
    Deiner geschilderten Einschätzung zufolge wirkt sich jeder Konsumvorgang ähnlich beeinträchtigend auf die Bilanz des Energieverbrauchs in der Gesellschaft aus.
    „Energie sparen“ könnten wir in letzter Konsequenz also nur dann, wenn wir uns dazu entscheiden das Geld „vergraben“, das wir uns durch den individuell eingesparten Energiebetrag beim Stromanbieter, an der Tankstelle oder beim Kohlelieferanten sparen.
    Wenn wir Kaufkraft in den Wirtschaftskreislauf einfließen lassen würde diese Kaufkraft wieder dazu verwendet Waren oder Leistungen zu beanspruchen, deren Herstellung, Verwendung oder Ausführung wiederum mindestens eben-soviel Energie verbraucht, wie wir womöglich zunächst eingespart haben.

    Ich kann mir in unterschiedlichen Kontexten die Vorstellung „eingesparter Energie“ durchaus plausibel machen. Dabei geht es immer um die Relation unterschiedlicher Handlungsoptionen.
    Es geht darum, suboptimale Muster, Strukturen und Routinen aufzugeben oder Vorgänge, Apparaturen, Wege, Verrichtungen, etc. zu optimieren, um letztlich mit geringerem Aufwand ein vergleichbares Ziel zu erreichen oder mit gleichbleibendem Aufwand mehr tun zu können oder höhere Aufgaben zu bewältigen/ schwierigere Probleme zu lösen.

    Zunächst ist demnach der Begriff „Effizienz“ maßgeblich, um zu verstehen, was gemeint ist, wenn beispielsweise Händler von Unterhaltungs- und Haushaltselektronik davon sprechen, das man „Energie sparen“ kann.

    Wenn ich in den 1980er/90er Jahren ca. vier Stunden am Tag auf einem (CRT-)Röhrenbildschirm ferngesehen habe, dann habe ich rund 120-160 Watt Energie verbraucht.
    Ein moderner (TFT-)Flachbildschirm verbraucht bei gleicher Beanspruchung nur etwa die Hälfte der Energie, die ein altes Röhrenfernsehgerät verbraucht hat.
    Besser noch sind OLED-Fernsehgeräte, die Strom mit einem Wirkungsgrad von 15% in Licht umwandeln.

    Effektiv verbrauche ich also mit einem modernen OLED-Flachbildschirm durchaus weniger Energie, als mit einem alten Plasma-TV. Der Einsatz effizienterer Technologie hilft dem Verbraucher sozusagen, für ähnliche Verrichtungen weniger Energie vom Stromanbieter abzurufen.
    Man kann argumentieren, dass bei der Herstellung neuerer, innovativer Geräte auch Energie benötigt wird. Wenn Hersteller und Verbraucher aber keinen Wert darauf legen würden ihren Energieverbrauch zu senken, würde eine entsprechende Innovation ausbleiben. Dann würden vielleicht nicht weniger neue Geräte produziert und verkauft, deren Herstellung nicht weniger Energie benötigt. Wenn neue Geräte im Verbrauch also nicht effizienter sind als alte, wäre die ökologische Belastung insgesamt weitaus erheblicher.

    Ein anderes Thema, das dem Anliegen „Energie sparen“ zu wollen noch viel mehr Brisanz verleiht ist die gesellschaftliche Tendenz zur Bedarfs-Ausweitung oder zur künstlichen Projektion von Bedürfnissen. Das hat gewissermaßen mit unseren gegebenen wirtschaftlichen Konventionen zu tun und es würde hier wohl zu weit führen näher darauf einzugehen, warum man das Gefühl vermittelt bekommt, dass beispielsweise das Fernsehgerät alle Nase lang durch ein größeres Neugerät mit mehr Funktionalität ausgetauscht werden muss.

    Auf der einen Seite kann also zweifellos die Effizienz unserer Werkzeuge und Haushaltsgeräte bei der Energieaufnahme und Leistung deutlich erhöht werden. Im Kontext der Verrichtung oder Verwendung der jeweiligen Geräte kann man daher in jedem vereinzelten Anwendungsfall einen gewissen Betrag an eingesparter Energie im Vergleich zur Verrichtung oder Anwendung von Gerätschaften mit suboptimaler Energie-Effizienz errechnen.

    Letztlich geht es aber um die Frage einer „sinnvollen“ Nutzung von Ressourcen.
    Es gibt Verrichtungen und Aktivitäten, die mir selbst rückblickend unsinnig oder frustrierend erscheinen.
    Wenn ich beispielsweise stundenlang aus purer Langeweile billig produzierte TV-Serien im Vormittagsprogramm glotze kommt es vor, dass ich anschließend den vermittelbaren Eindruck habe, Zeit und Energie (und vielleicht auch Gedanken) verschwendet zu haben.
    Selbst bei Tätigkeiten, die mir sinnvoll, reizvoll, nützlich und notwendig erscheinen ist die gefühlte Energieverschwendung für mich demnach umso größer, wenn ich einsehen kann, dass ich ein Gerät verwende, das mehr Energie verbraucht als ein alternatives Gerät, das ich verwenden könnte, um das selbe Ziel, eine ähnliche Wirkung oder ein vergleichbares Ergebnis zu erreichen.

    Wenn ich für mich absehen kann, dass ich die Ressourcen, die mir zur Verfügung stehen möglichst sparsam und sinnvoll genutzt habe, gibt es eigentlich keinen plausiblen Grund anzunehmen, dass jemand anderes an anderer Stelle den Betrag an Energie, den ich effektiv einsparen konnte, suboptimal und sinnlos verschwendet.
    Wenn ich Geld spare und das Geld wieder in den Wirtschaftskreislauf einbringe, dann gebe ich letztlich auch die selbe Herausforderung weiter, vor die ich selbst in jedem einzelnen Fall gestellt bin. Es geht immer darum, möglichst sinnvoll über die Verwendung spezifizierter Ressourcen zu entscheiden. Wenn man glaubt und kommuniziert, dass es sinnlos ist „Energie sparen“ zu wollen, vermittelt man in gewisser Hinsicht nichts als blanken Zynismus.

    Ich denke, es ist durchaus vorstellbar, dass in meinem gesamten absehbaren gesellschaftlichen Horizont die Effizienz der Nutzung von Energie messbar gesteigert wird/ sodass jeder den Eindruck gewinnt, dass Energie (Elektrizität/ Treibstoff, etc.) bei nahezu jedem Anwendungsfall hinlänglich maßvoll und zielführend oder insgesamt „nachhaltig“ eingesetzt wird.
    Es ist zumindest aber leicht vorstellbar, dass der Eindruck der Energieverschwendung individuell und gesellschaftlich reduziert wird, ohne dass die „eingesparte Energie“ an anderer Stelle sinnlos verschleudert wird.

    Im Endeffekt kommt es bei der Frage nach der Verschwendung oder der Ersparnis von Energie wohl im wesentlichen darauf an, wie wir in der Gesellschaft zweifelsfrei „Sinn“ kommunizieren und vermitteln können.

    Und vielleicht ist es das, was mich an Deinem Artikel so entrüstet oder irritiert hat.
    Mir kommt es so vor, als ob durch Deine Betrachtungen eher Sinnlosigkeit/ Ratlosigkeit und Verzweiflung kommuniziert wird. Vielleicht täusche ich mich, aber wenn das so sein sollte, dass Du selbst so eine Bitterkeit oder Trostlosigkeit im Bezug auf gesellschaftliche Verhältnisse und Entwicklungen empfindest, dann kann ich nur hoffen, dass Du Dir neue Perspektiven erschließen kannst, über die Du neuen Mut und mehr Zuversicht schöpfen kannst.

    „Wenn ich also “Energie” spare, spare ich Geld. Wenn ich Geld spare, muss ich das Geld anders ausgeben, wenn ich es nicht vergraben will. Wenn ich das Geld anders ausgebe, bezahle ich damit wieder “Energie”, denn wofür sonst könnte ich Geld ausgeben?“

    Beispielsweise fällt mir ein, dass nicht alles, was man mit Geld kaufen kann eine relevante Beanspruchung gesellschaftlich spezifizierter Energiequellen oder Energiereserven impliziert.
    Wenn Du im Überschuss Solarenergie schöpfen kannst, die Du gegen Entgelt in das Stromnetz einfließen lässt, kannst Du Dir für den Erlös daraus beispielsweise (Bio-)Äpfel und Birnen aus regionalem Anbau kaufen. Die sind in der Regel am Baum gewachsen, ohne dass erheblich Energie aus kostenpflichtigen, umweltschädlichen Quellen geschöpft wurde.
    Man kann also prinzipiell Geld ausgeben, ohne gesellschaftlich spezifizierte Quellen und Reserven von Energie anzutasten. Geht es bei Deinen Überlegungen nicht genau darum? Im Grunde hast Du ja die Bilanz an Energie im Augenmerk, die als Ware eingekauft oder künstlich erzeugt werden musste. Alle Energie, die irgendwann gesellschaftlich ermittelt oder spezifiziert werden kann, kommt ursprünglich aus den Sternen/ von der Sonne. (Auch Wasserkraft und Erdöl ist letztlich gespeicherte Sonnenenergie: Vaporisation/ Regenfall; Photosynthese, …)
    Aber die meiste Sonnenenergie entzieht sich der gesellschaftlichen Spezifikation und dem Warenkreislauf…

    Aber warum sollte man Geld, das man selbst nicht sinnvoll einsetzen kann nicht einfach liegen lassen oder spenden?
    Wenn man es spendet, dann gibt man die Herausforderung oder Verantwortung an Dritte weiter, die das Geld einsetzen können, um etwas möglichst sinnvolles damit anzustellen.

    Antwort
    1. Rolf Todesco Autor

      danke für Deine Gedanken zum Thema Energie. Ich erkenne darin keinen Bezug zu meiner Argumentation, dagegen erkenne ich darin sehr wohl, die gängisten Argumente von Menschen, die sich parteipolitisch als grünliberal bezeichnen und sich für Nachhaltigkeit einsetzen.
      Es ist sehr ähnlich wie bei unserem Aneinandervorbeireden bezüglich Geld. Dich interessiert der parteipolitische Diskurs, darüber wie die Welt wirklich ist, mich interessiert der Dialog. Dich interessiert, was der Mensch tun sollte, um die Welt zu retten, mich interessiert, wie ich und andere sprechen, welche Begriffe und welche Kategorien wer wo verwendet.
      Zuschreibungen ad personam wie zynisch, trostlos, verbittert … sind klassisches Mobbing der helfenden Elite, die gerne Geld an Dritte (Drittweltländer, Entwicklungshilfe, Almosen) gibt.

      Mir geht es um die Sprache, in welcher Wörter ideologisch verwendet werden. Das Wort „Energie“ hat unglaublich viele Deutungen. Eine der vielen Deutungen besteht darin, damit Energieträger wie Kohle oder Erdöl zu bezeichnen. Das ist eine ganz bewusst gewählte Deutung, die damit korrespondiert, dass jene, die vom Kapitalismus profitieren (viele Menschen in sogenannten Demokratien) nicht über Geld sprechen müssen. Diese Redeweise geht an jeder Physik vorbei, ausser an jener reichsdeutschen die Energie und Arbeit gleichsetzt.

      Antwort
  5. // manU F.

    “Ich kann keine Energie sparen, ich spare immer Geld.”

    Das ist für mich eine Aussage darüber, wie die Welt wirklich ist, oder wie sie jemand versteht oder erlebt, der aufgegeben hat die Welt jenseits ökonomischer Kategorien zu deuten. Du scheinst Energie-Effizienz direkt mit Kosteneffizienz gleichzusetzen oder jenseits finanzieller Ersparnis keinen Sinn im Bemühen um effiziente Energienutzung sehen zu können. Ich denke, dass es ein gewisser Zynismus sein muss, der Dich dazu verleitet derart blind auf ideologische Muster einer vermarkteten Welt und Wirklichkeit einzusteigen.
    Bitte verstehe das nicht als Angriff „ad personam“.
    Ich will nicht annehmen, dass Du die Welt, die Du erlebst tatsächlich nur in ökonomischen Mustern und Kategorien verstehen kannst. Ich glaube aber, dass es einen tieferen Grund dafür geben muss, warum Du die Sache so darstellst, als ob Du jenseits der Kostenersparnis keinen Sinn oder Zweck im Bemühen „Energie zu sparen“ sehen kannst.
    Und ich vermute, dass das so ist, weil auch Du gewissermaßen eine diskursiv geneigte Rolle einnimmst. (Vielleicht ohne es zu merken? Aber auch das kann ich nicht glauben.) Die Haltung, die Du vermittelst, wenn Du schreibst, dass man keine Energie sparen kann, sondern nur Geld, wirkt auf mich, wie die eines „Zynikers“, der die Verhältnisse einer total vermarkteten/ kapitalistisch vereinnahmten Welt und Wirklichkeit womöglich genau dadurch ankreiden möchte, dass er sich (in ironischem Abstand einer wissenschaftlichen Betrachtung) absolut auf das Spiel der ökonomischen Deutung unserer Welt und Wirklichkeit herablässt. Das erscheint mir jedoch zynisch, weil in dieser Haltung gewissermaßen eine fatalistische Hingabe an ein soziales Verhängnis impliziert wird.

    “Wenn jeder einzelne keine Energie sparen kann, kann auch die Gesellschaft keine Energie sparen.”

    Vielleicht ist es so, dass die Gesellschaft letztlich alle Energie aufbraucht, die sich die Gesellschaft verfügbar machen kann. Das ist wohl so.
    Trotzdem macht es einen Unterschied, wie effizient, sinnvoll oder nachhaltig wir die Energie einsetzen. Es geht schließlich darum, wie wir uns gesellschaftlich fortentwickeln und ob wir dabei maßgebliche Chancen auf eine lebenswerte Zukunft verspielen oder in den Sand setzen.

    Im wesentlichen geht es mir darum zu vermitteln, dass es möglich und vielleicht sogar wichtig ist, „Sinn“ jenseits ökonomischer Kategorien und Muster zu kommunizieren.
    Das ist die Position, die ich einnehme. Ich will nicht glauben, dass Du aufgegeben hast Deine Welt jenseits der Bezugnahme auf Geld und Geld-Ökonomie zu verstehen.
    Ich nehme an, dass Du eine politisch oder gesellschaftstheoretisch motivierte Rolle spielst: Wenn Du schreibst, dass Bemühungen „Energie zu sparen“ sinnlos sind, weil es nur um Kostenersparnis geht und die gesparte Energie letztlich wieder an anderer Stelle über Konsumhandlungen aufgezehrt werden muss, dann nimmst Du meiner Ansicht nach die Rolle eines Zynikers ein.
    Was nicht heißen soll, dass ich Dich für einen Zyniker oder Pessimisten halte.
    Aber ich glaube, dass Du Gründe hast, diese Rolle einzunehmen/ diese Maske aufzusetzen. Wie jeder, der auf einer Bühne eine Rolle mimt, spiegelst Du gewisse Verhältnisse Deiner sozialen Wirklichkeit wider.
    Ich glaube auch nicht, dass Du Dich einer politischen Haltung dabei völlig entziehen kannst. Die Ansichten, die Du vermittelst sehe ich als Ausdruck einer gewissen Verzweiflung über Verhältnisse.
    Die Verzweiflung unterstreichst Du ja ganz deutlich mit Deinem abschließenden Hilferuf:

    „Natürlich könnte ich meine Sonnenenergie verkaufen. Dann wird sie zur Ware. Ich bin sie dann los, habe aber dafür noch mehr Geld, das ich ausgeben oder vergraben muss. Ich lasse diesen Fall aber mal so stehen. Wenn ich meine Sonnenergie nicht verkaufe, kann ich andere Energie sparen. Dabei spare ich wieder Geld …

    Wer kann mir da helfen?“

    Ich bin vielleicht nicht der Einzige, der in dem Dilemma, das Du umschreibst, Implikationen von Kapitalismuskritik vermutet.

    „mich interessiert, wie ich und andere sprechen, welche Begriffe und welche Kategorien wer wo verwendet.“ UND: warum. Vor allem das „Warum“ interessiert mich.

    Antwort
    1. Rolf Todesco Autor

      ja, das ist wohl der Unterschied: Ich mache keine Spekulationen dazu, WARUM jemand etwas bestimmtes sagt. Mich interessiert, WAS WIE gesagt wird, und was daraus folgt.
      Im Kontext hier spreche ich von SPAREN. Das ist eine ökonomische Kategorie. Aber selbstverständlich nur dann, wenn MANN das Wort so verwendet,
      Wenn Du mit spraren etwas ganz anderes bezeichnest .. das sind eben die verschiedenen Sprachen.
      Ich unterscheide in meiner Sprache (!) Energie als Lebensenergie, die nicht gespart werden kann,, als physikalische Energie, die nicht gespart oder verbraucht werden kann und als kybernetische Engergie, was mit Sparen nichts zu tun hat.
      Ich reflektiere meine Sprache und sage dann ganz bewusst nicht Energie, wenn ich Energieträger meine. Und wenn ich von Sparen spreche, meine ich, dass ich etwas nicht ausgebe, was einen Geldwert hat.
      Ich denke gerne über meine Begriffe nach und mache sie explizit. Darin erkenne ich eine politische Haltung.

      Antwort
  6. // manU F.

    Dass Zeit, Energie, Arbeit, etc… als gesellschaftlich spezifizierte Ressourcen ökonomisch verhandelbar gemacht werden, sehe ich als nachrangige Konsequenz kontingenter sozialer Verhältnisse.
    Das bedeutet, dass ich ohne weiteres davon sprechen kann, Zeit zu sparen, Arbeit zu sparen, Wege zu sparen, Ressourcen zu sparen, Energie zu sparen, … ohne dass ich mich auf Geld oder auf marktwirtschaftlich verhandelbare Werte und Waren beziehen müsste.
    Ich unterscheide ganz bewusst zwischen dem abstrakten Begriff der „Ökonomie“ (im weitesten Sinne als „Haushalten“ mit gegebenen, ermittelbaren Ressourcen) und einer „Ökonomie“ im Sinne marktwirtschaftlichen Konventionen, im Rahmen derer uns die Einhegung, die Einpreisung, die ökonomische Bewertung und Verwertung gegebener Ressourcen nahegelegt wird.
    Wenn wir aufhören, den Begriff „sparen“ jenseits geld-ökonomischer/ marktwirtschaftlicher Muster und Kategorien zu denken, lassen wir uns quasi ideologisch überfahren und vereinnahmen. Ich will die Möglichkeit und Vorstellung sozialer Vernetzung und Interaktion jenseits der Bezugnahme auf Geld und Wirtschaftsmacht nicht aus dem Auge verlieren.

    Antwort
    1. Rolf Todesco Autor

      ok, Manu. Das ist ja, was ich als verschiedene Sprachen bezeichne. Ich will Dir ja gar nichts ausreden. Jeder spricht, wie er spricht. Mich interessieren Sprechweisen. Ich verwende Begriffe, die ich explizit machen kann und mache. Wer Energie irgendwie verwendet, also nicht definiert, was er damit bezeichnet, kann eben irgendetwas damit meinen, so dass alles irgendwie gemeint sein kann, auch unaussprechbarer Commonsense.
      Ich weiss nicht, was Du mit Energie und mit sparen bezeichnest, weil Du ja nur sagst, dass Du jenseits der Ökonomie sprichst. Ich spreche aber in einem ökonomischen Rahmen, wenn ich von Sparen spreche. Und in diesem Rahmen kann ich Energie nicht sparen. Achtung: das heisst, dass ich so nicht sprechen kann, weil das mit meinen Begriffen nicht geht.

      Antwort
  7. // manU F.

    Man kann auf der einen Seite mit Geld und marktwirtschaftlich verhandelbaren Werten haushalten. Das ist aber nur ein spezifischer Aspekt von „Ökonomie“ (ie. „Haushalten“ von Ressourcen im weitesten Sinne).
    Ist das für Dich keine legitime Definition von „Ökonomie“?
    [Ökonomie (aus altgriechisch οἶκος oĩkos „Haus“ und νόμος nómos „Gesetz“)]

    Ich kann beispielsweise ein Laib Brot ökonomisch betrachten, ohne meinen effektiven Verbrauch (oder meine Ersparnis) zwingend in Geldwert umzurechnen.
    Ich kann an eine physikalisch messbare Größe denken, die ich verbrauchen oder einsparen kann: Eine Scheibe Brot wiegt ca. ~120 Gramm(?).
    // Je nachdem was für ein Brot ich gekauft, gebacken oder geklaut habe.
    Ich kann das Laib Brot an einem Tag verschlingen oder genügsam drei bis vier Tage davon essen, ohne zu hungern.
    Ich kann sparsam, also ökonomisch bewusst mit allen denkbaren Ressourcen umgehen, die mir zur Verfügung stehen.
    Dass ich am Ende des Monats eventuell mehr Geld habe, wenn ich darauf verzichte, Ressourcen zu verschwenden, ist meiner Ansicht nach lediglich eine nachrangige Konsequenz der Tatsache, dass im Rahmen unserer gesellschaftlichen Konventionen alle vorstellbaren Ressourcen markt-ökonomisch eingepreist und verhandelt und mit Geld gekauft werden können (oder müssen).

    Bringst Du die Begriffe „Geldwirtschaft“ und „Ökonomie“ (im Sinne von „Haushalten“) gedanklich nicht auseinander?
    Warum? Vielleicht kannst Du mir das erklären, sodass ich dabei etwas lernen kann.

    Antwort
    1. Rolf Todesco Autor

      Nein, das ist keine Definition von Ökonomie: Eine Definition zeigt, wie Du den Begriff verwendest. ABER: Natürlich ist das meine Sprache. Wenn Du in Deiner Sprache, das Wort Definition ganz anders verwendest, ist das eben so.
      Du sagst lediglich, was Ökonomie AUCH heissen könnte.
      Ich kann nicht erkennen, dass Dir etwas daran liegt, Deine Wortverwendung zu reflektieren, sie explizit zu machen.
      Um wieder einmal ein Beispiel zu geben:
      Als Ökonomie bezeichne ich die Lehre der Allokation knapper Güter. Knappe Güter gibt es nur unter der Annahhme grenzenloser Bedürfnisse, wie sie beispielsweise als Kapital , das unendlich wachsen kann, gegeben sind.
      Die Allokation von Gütern des Bedarfs wird in der Oikologie behandelt.

      Aber hier geht es mir um Deine Definition von Energie nicht von Ökonomie.

      Geld – das hättest Du in meinem Buch lesen können – ist für mich eine Grösse (wie Länge oder Gewicht). In dieser Grösse drücke ich Warenwert aus. Wenn ich von Brot spreche, kann mich sehr verschiedenes interessieren, zB dessen Gewicht oder ob ich welches habe, usw. Ich kann es aber auch unter dem Gesichtspunkt betrachten, dass ich es gegen etwas anderes eintauschen kann. Wenn ich das mache, betreibe ich Ökonomie und dabei verwende ich die Grösse Geld.

      Natürlich muss ich Brot nicht so beobachten. Und Erdöl oder elektrischen Strom auch nicht. Ich kann statt einer ökonomischen eine physikalische oder eine noch ganz andere Perspektive verwenden. In meinem Text über die sinnlosigkeit des Energiesparens, beobachte ich aber ökonomische Verhältnisse, die durch eine bewusst gewählte Sprache verschleiert werden.

      Die Verschleierung besteht genau darin, dass die Perspektive der Wortverwendung – auch auf Nachfragen hin – nicht aufgedeckt wird.

      Antwort
  8. // manU F.

    „Ich kann nicht erkennen, dass Dir etwas daran liegt, Deine Wortverwendung zu reflektieren, sie explizit zu machen.“

    Mir liegt etwas daran, meine Wortwendung zu reflektieren und sie explizit zu machen.
    Wenn Du das nicht erkennen kannst, dann liegt es unter Umständen daran, dass Du übersehen willst, wie ich mich bemühe, meine Ansichten klar und deutlich in Worte zu fassen.
    Willst Du mich so sehen, als ob ich mich unpräzise, unreflektiert oder einfach dumm und unakzeptabel ausdrücke, weil es Dir dann leichter fällt, zu ignorieren, was ich zu sagen habe?

    Wenn ich mir nicht sicher bin, was mein Gegenüber mir sagen möchte, biete ich manchmal einfach eine Reihe möglicher Auslegungsvarianten an, auf die ich mich beziehen kann, ohne meinen Gesprächspartner immer wieder aufsässig ermahnen zu müssen, Begriffe zu klären und Definitionen zu liefern. So lassen sich Missverständnisse im weiteren Gesprächsverlauf klären.
    Das Gelingen von Kommunikation hängt wohl in jedem Fall von der Bereitschaft ab, sich auf Unschärfe, Spekulation und das Risiko von Missverständnissen einzulassen.
    Mut zum Missverständnis kann nicht schaden!

    Ich habe mich weiter oben schon bemüht Dir verständlich zu machen, was ich meine, wenn ich von „Ökonomie“ (im weiteren Sinne) spreche. Es gibt für mich sozusagen einen Teilaspekt der „Ökonomie“, der sich auf marktwirtschaftliches Handeln & Haushalten bezieht.
    Darüber hinaus ist „Ökonomie“ für mich grundlegend ein abstrakter Begriff, den man schließlich auch jenseits von der Bezugnahme auf Geld, Marktwert oder Marktmacht verwenden kann, wenn man Zusammenhänge ansprechen möchte, in denen es um das Haushalten mit verschiedenen Ressourcen geht, die man ermitteln, spezifizieren und in gewisser Hinsicht quantifizierbar oder kalkulierbar machen kann.

    „Als Ökonomie bezeichne ich die Lehre der Allokation knapper Güter.“

    Dieser Definition kann ich mich gerne anschließen, insofern die Frage der Allokation von Gütern (und Dienstleistungen) nicht zwingend mit dem Kriterium Marktmacht gekoppelt wird.

    Ich verstehe den Begriff „Ökonomie“ demnach auch als „Haushalten“ jenseits der Geldwirtschaft/ jenseits marktwirtschaftlicher Muster und Konventionen. Ein „Haushalten“, das sich auf rationale, ethische Erwägungen beziehen kann. Es ist mir sogar sehr wichtig, diese Perspektive deutlich herauszustellen: Geld ist üblicherweise die zentrale Größe, auf die wir uns beziehen, wenn über Fragen der gesellschaftlichen Teilhabe, der Arbeitsteilung und der Allokation von Gütern und Leistungen nachdenken.

    Die Tatsache, dass wir darauf konditioniert sind, Ansprüche auf gesellschaftlich spezifizierte Ressourcen oder Leistungen im Bezug auf Geld ökonomisch zu verhandeln und im Ritual der Bezahlung zu legitimieren, erkenne ich an.
    Ich verstehe also, warum Menschen geneigt sind, zu glauben, dass ein „Wirtschaften“ jenseits der Geldwirtschaft kaum vorstellbar ist.

    Im Rahmen unserer gegebenen marktwirtschaftlichen Konventionen der Verhandlung von Ansprüchen auf Güter/ Waren, Werte und Leistungen im Bezug auf Geld steht letztlich das Kriterium Marktmacht im Zentrum unserer sozialen Arrangements.
    In vielen Situationen, in denen es um Fragen der Kostenminimierung und Profitmaximierung geht, sehe ich einen gewissen Kontrast zwischen marktwirtschaftlichen Reizen und ethischen Erwägungen. (Die massiven, drastischen globalen Probleme und Risiken näher auszuführen, die wir im Kontext der Verwicklung in manipulative Kaskaden der Kommunikation von Geld und Marktmacht erleben und beobachten können, würde an dieser Stelle zu weit führen. Nur soviel sei gesagt: Solange man Menschen beibringt, dass sie Ansprüche auf Teilhabe und Versorgung marktwirtschaftlich voreinander aushandeln und rechtfertigen müssen, sind wir gesellschaftlich unablässig mit dem Risiko der Käuflichkeit und Korruption, der organisierten Kriminalität und der sozialen Stagnation oder Zersetzung im Falle marktwirtschaftlicher Krisen konfrontiert. Absurd ist es, wenn Menschen glauben, dass sie sich jenseits ökonomischer Kompensationsrituale/ jenseits der projizierten Notwendigkeit der Bezahlung nicht einbringen/ engagieren oder miteinander Probleme lösen können.)

    Ich kann Brot beispielsweise rein physikalisch betrachten, ohne diese Betrachtung auch nur im entferntesten etwas mit „Ökonomie“ zu tun haben muss. Ich kann messen, wie schwer das Brot ist, Ich kann beobachten, wie das Brot fällt.. etc.

    Eine „ökonomische“ Betrachtung von Brot beginnt da, wo ich Brot als Ressource betrachte, die für mich oder Andere in unterschiedlichen Zusammenhängen wünschenswert oder notwendig sein könnte. Ich kann jenseits von der Bezugnahme auf Geld oder Kosten oder Marktwert, ermitteln, wie viel Brot ich brauche, um satt zu werden und anhand dieser Beobachtung Strategien zur Herstellung, Lagerung und Verteilung von Brot als Ressource entwickeln.
    Ich könnte mich mit Anderen, die auch gerne Brot essen wollen, darauf einigen in freiwilliger Kooperation Brot zu backen. Markt-ökonomische Erwägungen müssen dabei keine Rolle spielen. Die Vorteile und Risiken der Unternehmung könnte man gemäß klarer Vereinbarungen teilen, ohne dass die Bezugnahme auf Geld dabei eine Rolle spielen muss.

    Ich finde es interessant und wichtig über wirtschaftliches Handeln auch jenseits gängiger marktwirtschaftlicher Muster und Konventionen nachzudenken.

    Ebenso könnte ich mir vorstellen, dass man jenseits der Bezugnahme auf Geld darüber nachdenken kann, wie man durch Mäßigung oder durch die Optimierung von Prozessen und Apparaten „Energie sparen“ könnte.

    Ich kann zum Beispiel darüber nachdenken, ob ich lieber kalt duschen oder ein heißes Bad nehmen möchte. (Siehe Twitter: https://twitter.com/llenthalben/status/1010121072346386432)
    Ich weiß, dass ich wesentlich mehr Energie verbrauche, wenn ich das Wasser für ein Vollbad erhitzen muss, also kann ich mich dazu entschließen lieber kalt zu duschen, wenn es sinnvolle Gründe für mich gibt, die in mir die Überzeugung stärken Energie sparen zu wollen oder zu müssen.
    Beispielsweise kann sich diese „ökonomische“ Erwägung direkt auf eine vorgelagerte knappe Ressource, wie Feuerholz beziehen, das ich unter Umständen sogar eigenhändig sammeln und aufbereiten konnte, ohne Geld auszugeben.
    (Im Grunde genommen ließe sich jedoch jede erdenkliche Ressource jenseits der Bezugnahme auf Geld oder Marktmacht erschließen und herstellen, wenn man nur genügend freiwillige Helfer finden kann, die solidarisch für einen Zweck kooperieren, der hinlänglich sinnvoll erscheint, dass sich der Aufwand zur Produktion als lohnenswert darstellt.)

    Mir geht es eben darum, herauszustellen, dass die gesellschaftlichen Entwicklungen, die dazu geführt haben, dass wir Ansprüche auf gesellschaftliche Teilhabe und Unterstützung über die Bezugnahme auf Geld und Marktmacht verhandeln, kontingent sind.
    Die Bezugnahme auf Geld sehe ich dementsprechend also nicht als zwingende Notwendigkeit.

    Der Ausage: “Ich kann keine Energie sparen, ich spare immer Geld.” würde ich nur dann zustimmen, wenn ich unsere ererbten marktwirtschaftlichen Konventionen als logisch notwendige Gegebenheit oder als unumgängliches Verhängnis verstehe.

    Antwort
    1. Rolf Todesco Autor

      Lieber Manu, ich erkenne immer wieder, dass wir nicht dieselbe Sprache sprechen. Ich meine und sage in keinster Weise, dass Du Dich nicht bemühst klar auszudrücken, oder dass es Dir in Deinen Augen nicht gelinge. Ich sage und habe immer gesagt, dass ICH offensichtlich ganz andere Vorstellungen davon habe, was begriffliches Denken ist. Ich meine NIE und NIMMER, dass Du meine Vorstellungen zu folgen hättest, ich sage nur, dass Du es nicht tust.
      Ich habe MEINE Vorstellungen davon, was die Wortverwendung explizit zu machen bedeutet. Das sind Definitionen, in welchen ein Wort durch einen Satz ersetzt wird.
      Das machst Du nicht. Ich meine nicht, dass Du das tun müsstest. Ich sage nur, wie ich damit umgehe, dass Du es nicht machst. Ich erkenne darin eine politische Haltung. Es liegt mir sehr fern, von Dir eine andere Haltung zu erwarten oder gar zu verlangen.

      Und zum x-ten Mal: mir ging es hier nicht um Ökomie, sondern um Energie. Oder noch genauer: Mich interessiert die Verwendung des Ausdruckes. Ich kann nicht erkennen, dass Dich das auch interessiert. Ja, ICH kann es nicht erkennen. Aber deshalb kann ICH auch nicht mehr dazu sagen.

      Wir haben jetzt ziemlich lange versucht, eine gemeinsame Sprache zu finden. Es ist MIR nicht gelungen. Damit muss ich leben. Und Du in gewisser Weise dann eben auch. Es tut mir leid, dass ich Dich solange von anderem abgehalten habe, ich kann nicht anders, oder noch richtiger, ich WILL nicht anders.

      Antwort
  9. // manU F.

    „Wir haben jetzt ziemlich lange versucht, eine gemeinsame Sprache zu finden. Es ist MIR nicht gelungen. Damit muss ich leben.“

    Ist das ein Problem der „Inkommensurabilität“?
    Liegt es wirklich daran, dass wir unüberwindbar verschiedene Sprachen sprechen?

    Ich denke immer noch darüber nach, ob unsere Verständigungsschwierigkeit nicht vielleicht dadurch zu erklären ist, dass ich Deinen Humor nicht verstehe.

    Dass ich mich auf dieses Gespräch mit Dir eingelassen habe war meine eigene Entscheidung.
    Das muss Dir nicht leid tun und ich hoffe, Du empfindest es nicht so, als ob Dir dabei ein Leid geschehen ist.
    In meinen Bemühungen, den Sinn Deiner Ausführungen einzusehen oder zu entschlüsseln, habe ich mich darauf eingelassen meine eigenen Gedanken, Ideen und Ansichten zu den angesprochenen Stichworten und Themen gründlicher zu reflektieren und auszuformulieren.
    Wenn das, was ich dazu schreiben konnte für Dich vielleicht (bisher) wertlos erscheint, so war es für mich letztlich doch ein Anlass tiefer nachzudenken. Auch jenseits der angeschnittenen Thematik, die ich aus Deiner Perspektive womöglich auch fundamental verfehlt habe.

    Mich beschäftigt die Frage auch weiterhin, wo die Verständnisschwierigkeiten denn konkret zu finden sein könnten, die Du als Hinderungsgrund für einen fruchtbaren Dialog zu sehen scheinst.

    Da Du nun offenbar aufgegeben hast, die „Sprachbarriere“, die Du zwischen uns zu erkennen glaubst, auflösen zu wollen, bin ich nun wohl doch wieder zurückgeworfen auf spekulative Ansätze der Interpretation Deiner Texte, Ideen und Ansichten.

    Du hast mich immer wieder darauf hingewiesen, dass Du von „Energie“ sprichst und nicht von „Ökonomie“. Und ich habe den Vorwurf gelesen, die „Physik“ wäre mir gleichgültig.

    @RolfTodesco — 08:45 – 21. Juni 2018 auf Twitter:
    „ich unterscheide Energie und EnergieTRÄGER. Du sagst nicht, was Du mit [Energie] bezeichnest. Die Physik ist Dir gleichgültig. Die [gesellschaftlichen] Produktionsverhältnisse sind Dir egal. […]“
    (Tweet: https://twitter.com/RolfTodesco/status/1009824739626504192)

    Die gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse stehen im Zentrum meiner Überlegungen.
    Das habe ich versucht oben in meinen Ausführungen zum Begriff „Ökonomie“ zu (er)klären.

    Ich habe anfangs schon darüber nachgedacht, ob der Text, den Du 2013 in diesen Blog geschrieben hast, vielleicht einfach als Witz gedacht war, dessen Pointe sich auf den Energieerhaltungssatz bezieht.

    In der Online-Enzyklopädie Wikipedia lese ich zum „Energieerhaltungssatz“:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Energieerhaltungssatz#Umgangssprache

    „Im physikalischen Sinne des Energieerhaltungssatzes ist ein „Verlust“ von Energie nicht möglich. Trotzdem wird umgangssprachlich von „Energieverbrauch“, „Energieverschwendung“, „Energiesparen“ und „Energieverlust“ gesprochen. Dies ist vertretbar, denn die Erde ist kein abgeschlossenes System und außerdem können der Mensch und andere Lebewesen Energie nur in bestimmten Formen nutzen; die genannten Begriffe beschreiben den Übergang von Energie aus technisch leicht nutzbaren oder biologisch nutzbaren Energieformen (Exergie) in schlechter oder nicht nutzbare Formen (Anergie). Ebenso unmöglich ist es, Energie zu erzeugen. Mit der umgangssprachlichen „Energieerzeugung“ ist vielmehr die Umwandlung vorhandener Energie in eine für den Menschen nutzbare Form, meist elektrische Energie, gemeint. […]“

    Das erspart mir mir jetzt Schreibarbeit! Super! 🙂
    Als Du auf Twitter über Energieformen gesprochen hast, hattest Du schon erwähnt, dass Energie im physikalischen Sinne nicht „gespart“ werden kann.
    (Tweet vom 21. Juni 2018: https://twitter.com/RolfTodesco/status/1009814616975790080)
    Wenn ich den oben zitierten Text nicht bereits auf Wikipedia vorgefunden hätte, dann hätte ich mir jetzt die Arbeit machen müssen, ganz ähnliche Gedanken auszuformulieren, um auf Deinen Vorwurf zu antworten, ich sei nicht an physikalischen Betrachtungsweisen interessiert.
    Selbstverständlich habe ich beim Versuch Deinen Denkansatz nachzuvollziehen auch darüber nachgedacht, dass Du Dich auf die Idee berufen willst, dass Energie in einem geschlossenen System weder „erzeugt“ noch „vernichtet“ oder eben „eingespart“ werden kann.

    Arbeit sparen, Energie sparen oder Zeit sparen kann man meiner Ansicht nach jedenfalls überall da, wo man sich zwischen zwei Handlungsoptionen oder Wahlmöglichkeiten entscheiden kann, bei denen die eine im Vergleich zur anderen gewisse Vorteile verspricht.
    Wenn ich an einer Abzweigung oder Kreuzung stehe kann ich mir eine messbare Wegstrecke zu meinem vorgestellten Ziel sparen, wenn ich eine Abkürzung wählen kann, die mich ans Ziel führt.
    Dabei spare ich im Vergleich zum längeren Weg, der sich in der Betrachtung als Umweg erweist unter Umständen auch Zeit, Aufwand und Energie.
    Im Vergleich besserer und schlechterer Wahlmöglichkeiten kann ich konkret ermitteln, wie viel Wegstrecke, Zeit, Arbeit oder Energie ich mir jeweils sparen kann.
    Dass eine optimale Wahl zwischen konkurrierenden Optionen sich auch wirtschaftlich positiv auswirken kann, sehe ich als Konsequenz kontingenter sozialer Verhältnisse.
    Die Aussage “Ich kann keine Energie sparen, ich spare immer Geld” trifft eben nur dort zu, wo man sich darauf einlässt jede Handlung und Entscheidung in einen Kontext marktwirtschaftlicher Arrangements zu setzen.
    Dass ich mich dazu entscheide Energie zu sparen, wenn ich im Vergleich zu suboptimalen Wahlmöglichkeiten Energie sparen kann, hat jedoch weitreichende Konsequenzen, jenseits von Spar-Vorteilen im Bezug auf meinen Geldbeutel.

    Wenn ich wieder daneben liegen sollte, darfst Du mir auch auf diesen (vorerst abschließenden) spekulativen Versuch der Interpretation Deiner Ansichten gerne auch antworten. Musst Du aber nicht. Beim Abklopfen von Missverständnissen kann in einem aufgeschlossenen Dialog durchaus erkennbar gemacht werden, wo man sich missversteht. So kommt man dem Verständnis der Ansichten des Gegenüber schrittweise näher. Und dabei kann man die eigenen Positionen auch besser verstehen.

    Vielleicht tut es auch gut, wenn man sich ab und zu eine gewissen Situationskomik bewusst machen kann, auf die man sich wohl unweigerlich einlassen muss, wenn man sich auf Kommunikation einlassen möchte.
    Insgesamt hat mich unsere Diskussion immer wieder an einen Sketch oder eine Clownerie-Nummer erinnert, bei dem durch ein projiziertes Missverständnis zwischen den Darstellern oder Clowns eine humorvolle Spannung erzeugt werden soll, die letztlich in einer Pointe aufgelöst wird, wenn für das Publikum prompt deutlich wird wo der dumme August und der Pierrot aneinander vorbeigeredet haben. Dann darf gelacht werden…

    Meinst Du wir bekommen das noch hin?

    Sei unbesorgt!
    Ich erwarte keine prompte Antwort… Du darfst Dich gerne ausblenden, wenn Dich unsere Auseinandersetzung frustriert, ärgert oder langweilt.
    Aber solange die Manege steht, gibt es noch Hoffnung. 😉

    Antwort
    1. Rolf Todesco Autor

      Diese Clownerie ist jetzt zu Ende. Wir hatten ja noch eine andere, sehr ähnliche zu Geld, die auch verlaufen ist.
      Du kannst das als vicht verstandenen Humor auffassen, ich sage, verschiedene Sprachen.

      Aber wir könnten uns vielleicht auf sogenannten Metaebenen das Problem verständlicher machen. Das Thema wäre dann nicht mehr Energie oder Ökonomie, sondern unsere Sprach-Auffassungen – oder unsere Sprach-Theorien.

      Und wenn Dich Sprache nicht so interessiert, vielleicht Kommunikations-Theorien.

      Aber vielleicht interessieren Dich auch Theorien nicht SO, dass Du darüber sprechen möchtest.

      Antwort

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