Wie viel Energie verbrauche ich?

Unabhängig von der physikalischen Tatsache, dass man Energie gar nicht verbrauchen kann, kann ich mich fragen, wie viel Energie ich eigentlich verbrauche. Die Frage ist dann eben eher physisch oder materiell als physikalisch  gemeint. Ich bekomme ja auch regelmässig Rechnungen für „Energie“, die ich verbraucht habe, und weiss dann  schon ungefähr, was gemeint ist, wenn ich diese Rechnungen bezahle. Ich bezahle unter vielen anderem Rechnungen für Benzin, Heizöl und Strom und denke dabei ohne viel zu denken an Energie. Ich könnte die Energiebeträge auf diesen Rechnungen addieren, aber ich weiss natürlich auch ohne viel zu denken, dass ich dabei nicht meinen gesameinsteinten „Energieverbrauch“ berechnen würde. Viel naheliegender scheint mir, dass ich einfach alle meine Ausgaben als Ausgaben für Energieverbrauch addiere, denn wofür sollte ich sonst Geld ausgeben, wo doch Einstein bewiesen hat, dass relativ alles nur Energie ist?

Ich will diese Vorstellung etwas entfalten, damit sichtbarer wird, was ich hier als Energieverbrauch bezeichne. Die Sonne, die mich wärmt, kostet mich nichts. Ich brauche also Energie, die ich hier nicht in Betracht ziehe, weil ich sie nicht ver-brauche, also weder von jemandem geliefert bekomme noch jemandem in dem Sinne entziehe, dass er sie nicht mehr selbst brauchen kann. Ich ziehe hier nur die „Energie“ in Betracht, die ich in dem Sinne verbrauche, als ich sie bezahlen muss, weil andere sie dann nicht mehr verbrauchen können. Heizöl, das ich verbrenne, kann nachher niemand mehr verbrennen.

Wenn ich alle Ausgaben als Ausgaben für Energieverbrauch unterstelle ich, dass alles, was ich für Waren bezahle die Energie bezahlt, die für die Herstellung der Ware verbraucht worden ist. Natürlich ist in jedem Warenpreis auch Mehrwert und Zinseszinsen enthalten, und bei vielen Waren bezahle ich Preise, die weit über dem Warenwert und  damit weit über der eingebrachten Energie liegen. Die invertierte Frage wäre dann, was ich bezahle, wo ich keinen Energiewert bezahle. Ich frage aber lieber umgekehrt, wie ich zu jenem Geld gekommen bin, dass ich für sogenannten Luxus ausgebe, der darin besteht, dass ich vermeintlich etwas anderes als Energie – also etwa ein Bild von Picasso – kaufe.

Wenn ich ein Auto oder einen Kühlschrank kaufe, bezahle ich eingelagerte Energie. In solchen Waren steckt neben  Zinseszins auch Material wie Eisen und Arbeitskraft, die durch Lohn vergütet wurde. Das Eisen und andere Materialien waren zuvor Waren, wie das Auto für mich eine Ware ist. Auch in diesen vorgängigen Waren steckt Material und Arbeitskraft. Das ursprüngliche Material, etwa das noch nicht entdeckte Eisenerz im Boden, ist nicht im Warenpreis enthalten, weil es wie die Sonne keinerlei verbrauchbare Energie repräsentiert. Die Arbeitskraft auf  allen Ebenen der Warenproduktion repräsentiert Lebensmittel, die ich als verbrauchte Energie bezeichne.

Im Moment, in welchem ich ein Ato kaufe, verbrauche ich die darin enthaltene Energie so wenig, wie wenn ich ein Fass Öl oder eine Batterie kaufe. Erst wenn ich die Ware konsumiere, verbrauche ich sie. Jede Energie, die ich noch nicht verbraucht habe, kann ich verkaufen, was nichts anderes heisst, als einem andern zum Verbrauch überlassen. Und wenn ich in eine Fabrikationsanlage für Autos investiere, gebe ich auch Geld aus für Energie, die ich nicht so rasch selbst verbrauche. Und schliesslich repräsentiert all mein Geld, das ich spare, Energie, die noch gelagert ist.

Ich schlage deshalb vor, meinen Energieverbrauch nicht am ausgegebenen Geld zu messen, sondern am eingenommenen. Je mehr ich verdiene, umso mehr Energie verbrauche ich, weil ich das Einkommen über kurz oder lang ausgeben werde – und es nur für Energie ausgeben kann.

Ich lese hin und wieder, dass die US-Amerikaner und die Europäer viel mehr Energie verbrauchen als die Chinesen oder die Afrikaner. Oft wird dabei mit dem nationalen Öl-, Kohle- und Stromverbrauch argumentiert. Ich halte das für Unsinn. Ich schlage vor, den Energieverbrauch auf die einzelne Person zu beziehen und versichere, dass es ganz viele Afrikaner und Chinesen gibt, die hundert Mal mehr Energie verbrauchen als ich – und das, obwohl ich wohl locker zehnmal soviel Energie verbrauche wie die meisten Afrikaner und Chinesen.

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Ein Gedanke zu „Wie viel Energie verbrauche ich?

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