Dialog als Sprachkritik

„Energie“ sehe ich sprachkritisch als Wort. Wer immer das Wort verwendet, verwendet es so, wie er es verwendet. Ich meine nicht, dass es eine richtige Verwendung von Wörtern gibt. Ich meine auch nicht, dass man Wörter oder deren Verwendung – jenseits von Terminologien – irgendwie „definieren“ und so verbindlich machen kann. Was immer über Energie gesagt wird, wird von jemandem – einem Beobachter – gesagt.

Ich kann mir aber Gedanken darüber machen, wie ich das Wort Energie verwende und welche – kontingenten -Verwendungen ich  in Texten von anderen Autoren erkennen kann. Die Reflexion des Sprachgebrauches durch Gespräche bezeichne ich als Dialog. Jede Verwendung des Wortes Energie zeigt mir potentielle Differenzen und mithin, was ich auch sehen oder sagen könnte. Durch jede Differenz wird mir bewusster, wie ich das Wort verwende und indem ich darüber spreche, wie ich das Wort verwende, verfertige ich allmähliche meine Gedanken beim Reden, worin ich den Sinn des Dialoges erkenne.

Jede Verwendung eines Ausdruckes sehe ich als latente Kritik an anderen Verwendungen desselben Ausdruckes. Als explizite Kritik bezeichne ich dabei den anhand bewusster Kriterien geleistete Vergleich der Verwendungen.

Im Alltagsverständnis steht oft die Bewertung im Zentrum der Kritik. In der Philosophie und der Wissenschaft wird „Kritik“ seit I. Kant’s „Kritik der reinen Vernunft“ oft in einem kruden Sinne verwendet, nämlich für die akademische Durchdringung eines Gegenstandes, bei welchem die jeweilige „Theorie“ mit der darin beschriebenen Wirklichkeit verglichen wird. K. Marx etwa nannte sein Werk „Kritik der politischen Oekonomie“. Ich glaube, er meinte damit nicht nur eine „Bewertung“ der bürgerlichen Oekonomen oder deren Lehren, sondern dass sein Werk eine adäquate Darstellung der beschriebenen Verhältnisse sei. Wo Kritik sagt, wie die Sache wirklich ist, sagt sie natürlich immer auch, dass andere Darstellungen wenig Wert haben. Und wo man andere Darstellungen in diesem Sinne kritisieren will, muss man einfach die richtige Darstellung liefern.

Hier heisst Kritik aber ausschliesslich der Vergleich verschiedener Darstellungen. Im Beispiel: K. Marx hat etwas anderes geschrieben als D. Ricardo. Ich kann mir die Unterschiede bewusst machen und die Verschiedenheit benennen. Wenn ich das tue, leiste ich Kritik im hier gemeinten Sinn.

Ich kritisiere also Verwendungen des Wortes Energie und am Anfang beobachte ich meine Verwendung des Ausdruckes:
Energie als Grösse

 

 

Werbeanzeigen

Ein Gedanke zu „Dialog als Sprachkritik

  1. Pingback: Energie als Grösse | Gegenenergie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s